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guide5 Min. Lesezeit

Azure oder Microsoft 365: Was braucht dein KMU?

Cloud Solution GmbH
Blaue Infrastruktur und weisse Arbeitsunterlagen als ergänzende Bausteine.

Die kurze Antwort: Microsoft 365 und Azure sind häufig Ergänzungen. Für E-Mail, Dokumente und Zusammenarbeit beginnt die Planung meist bei Microsoft 365. Für eine eigene Fachanwendung, eine Datenbank oder eine individuell entwickelte Schnittstelle kann Azure relevant werden. Du musst dafür nicht zuerst den Microsoft-Produktkatalog verstehen. Du musst wissen, welche Arbeit zuverlässig funktionieren soll.

Unsere Empfehlung: Entscheide über eine konkrete Anwendung oder Aufgabe. «Wir wollen in die Cloud» ist als Projektauftrag zu ungenau. Sonst ist zwar am Ende der Server an einem anderen Ort, aber niemand hat geklärt, ob ihr ihn überhaupt noch braucht.

Der Unterschied steckt in der Verantwortung

Microsoft 365 gehört zu den weitgehend fertig bereitgestellten Anwendungen, auch Software as a Service genannt. Azure umfasst unterschiedliche Betriebsmodelle: Bei einer virtuellen Maschine verwaltest du beispielsweise weiterhin Betriebssystem und Anwendungen. Bei Plattformdiensten übernimmt Microsoft mehr von dieser technischen Grundlage. In allen Modellen bleiben Aufgaben rund um eure Daten, Identitäten und Konfiguration. Microsoft beschreibt diese Aufteilung im Modell der geteilten Verantwortung.

Für dein KMU ist deshalb eine Frage besonders wertvoll: Welche Verantwortung wollen und können wir künftig selbst tragen, und welche übernimmt unser Partner? Eine Plattform mit vielen Möglichkeiten hilft wenig, wenn niemand für Änderungen, Fehler und Kosten zuständig ist.

Die Entscheidung betrifft auch eure Abhängigkeiten. Wenn nur eine Person erklären kann, wie eine Schnittstelle funktioniert, ist das ein Betriebsrisiko. Eine verständliche Dokumentation und eine geregelte Stellvertretung gehören deshalb bereits in die Auswahl.

Mit der Aufgabe beginnen

Diese Übersicht ist eine erste Einordnung, keine fertige Architektur:

Was soll besser funktionieren? Was wir zuerst prüfen würden
Dokumente gemeinsam bearbeiten und wiederfinden Bestehende Microsoft-365-Umgebung, Struktur und Zugriffsrechte
Eine Fachanwendung vom eigenen Server ablösen Cloud-Angebot des Herstellers, unterstützte Betriebsmodelle und erst dann Azure
Daten zwischen zwei Anwendungen übertragen Vorhandene Schnittstellen und eine passende Automatisierung
Kennzahlen aus mehreren Quellen verstehen Datenqualität, Definitionen und Power BI
Einen eigenen KI-Agenten entwickeln Aufgabe, Datenzugriff und den Vergleich von Copilot Studio und Foundry

Eine neue Plattform löst fehlende Zuständigkeiten oder widersprüchliche Abläufe nicht automatisch. Wenn unklar ist, welche Offertenversion gilt, würde unser erster Schritt die Freigabe und Ablage klären. Mehr Rechenleistung ist dafür keine Antwort.

Ein hypothetisches Beispiel: die Fachanwendung im Keller

Ein Handelsbetrieb mit 35 Mitarbeitenden nutzt Microsoft 365 für die Zusammenarbeit. Die Auftragsverwaltung läuft auf einem älteren lokalen Server. Das ist ein erfundenes Beispiel, kein Kundenbericht.

Die naheliegende Idee: Die Anwendung auf eine virtuelle Maschine in Azure verschieben. Damit wäre die lokale Hardware ersetzt. Vor einer solchen Entscheidung würden wir aber den Hersteller fragen, ob diese Betriebsform unterstützt wird, welche Datenbank benötigt wird und wie Arbeitsplätze, Drucker und weitere Anwendungen darauf zugreifen.

Dann würden wir eine zweite Möglichkeit prüfen: Bietet der Hersteller die Fachanwendung inzwischen selbst als betreuten Cloud-Dienst an? Der Vergleich umfasst Funktionen, Datenexport, Schnittstellen, Migration, laufende Kosten und Support. Ein günstiger Serverpreis allein entscheidet diese Frage nicht.

Wenn der Herstellerbetrieb fachlich passt und Verantwortung reduziert, wäre er unsere bevorzugte Ausgangsoption. Wenn wichtige Anpassungen oder Integrationen dort fehlen, kann Azure der passendere Weg sein. Die vorhandene Microsoft-365-Umgebung bleibt in beiden Varianten für die Zusammenarbeit relevant.

Das Beispiel zeigt auch, weshalb «alles auf Azure» kein sinnvolles Qualitätsziel ist. Das Ziel ist eine tragfähige Umgebung mit klaren Übergängen zwischen den Anwendungen.

Eine Entscheidungsseite statt einer langen Wunschliste

Bevor du Angebote vergleichst, fülle für die wichtigste Anwendung diese sechs Punkte aus. Wenn eine Antwort fehlt, ist das zunächst eine offene Frage für die Analyse.

  1. Aufgabe: Welchen Ablauf ermöglicht die Anwendung, und wer arbeitet damit?
  2. Abhängigkeiten: Welche Daten, Geräte und anderen Anwendungen braucht sie?
  3. Ausfall: Was kann bei einer Störung weiterlaufen, und welcher Unterbruch ist vertretbar?
  4. Verantwortung: Wer betreut Zugriffe, Änderungen, Überwachung und Wiederherstellung?
  5. Kosten: Welche einmaligen und laufenden Leistungen müssen im Vergleich enthalten sein?
  6. Wechsel: Wie kommen Daten und Dokumentation wieder heraus, wenn sich die Lösung später ändert?

Diese Seite macht Angebote vergleichbar. Ein Anbieter, der nur die Infrastruktur kalkuliert, beantwortet einen anderen Auftrag als einer, der auch den Anwendungsbetrieb begleitet. Beide Zahlen können korrekt sein und trotzdem einen irreführenden Vergleich ergeben.

Kostenkontrolle braucht eine Reaktion

Für Azure würden wir Kosten einer Anwendung oder einem Verantwortungsbereich zuordnen und regelmässig überprüfen. Dazu gehören auch Testumgebungen und Ressourcen, die nach einem Versuch weiterlaufen. Die Kalkulation sollte erwartete Nutzung und einen plausiblen höheren Bedarf getrennt ausweisen.

Ein technisches Detail ist dabei entscheidend: Ein Budget in Azure Cost Management kann Benachrichtigungen auslösen. Es stoppt den Verbrauch aber nicht automatisch. Das steht ausdrücklich in der Microsoft-Dokumentation zu Budgets. Legt deshalb fest, wer eine Warnung erhält und was diese Person anschliessend prüfen oder veranlassen soll.

Wo Copilot, Foundry und Power BI dazugehören

Die Produktgrenzen musst du nicht auswendig lernen. Für die Planung müssen wir sie trotzdem sauber berücksichtigen. Microsoft bezeichnet seine Plattform für eigene KI-Anwendungen und Agenten inzwischen als Microsoft Foundry, zuvor Azure AI Foundry. Sie baut auf Azure auf. Microsoft erklärt die aktuelle Einordnung hier.

Power BI dient der Datenanalyse und ist auch in Microsoft Fabric eingebunden. Es kann für euer Reporting sinnvoll sein, ohne dass ihr deshalb eure ganze Umgebung umbaut. Welche Komponenten und Lizenzen erforderlich sind, hängt vom Einsatz ab. Die Power-BI-Übersicht beschreibt diese Zusammenhänge.

Ein guter nächster Schritt ist deshalb eine Übersicht eurer Anwendungen mit den sechs Fragen oben. Daraus lässt sich begründen, was bleibt, was angepasst wird und wo Azure zusätzlichen Nutzen bringt. Genau dort setzt unsere Arbeit an Azure und Cloud-Infrastruktur an.

Welche Umgebung passt zu eurem Betrieb?

Wir ordnen Anwendungen, Abhängigkeiten und laufende Verantwortung ein. Daraus entsteht ein nachvollziehbarer nächster Schritt.