Update September 2026: Seit dem ersten Erscheinen im April hat sich einiges getan. Cowork ist für Geschäftskonten allgemein verfügbar, reagiert inzwischen auch auf Ereignisse und Skills lassen sich direkt teilen. Die betroffenen Abschnitte habe ich aktualisiert und entsprechend markiert.
Titelbild: Microsoft. Produktansicht aus der Ankündigung zur allgemeinen Verfügbarkeit von Copilot Cowork. Die Oberfläche kann je nach Version abweichen.
Seit Anfang dieses Jahres gibt es in der AI-Szene eigentlich nur noch ein Thema: persönliche Assistenten, die nicht nur reden, sondern auch arbeiten.
Den Anfang machte OpenClaw vom Österreicher Peter Steinberger, ein Open-Source-Projekt, das innert weniger Wochen zu einem der am schnellsten wachsenden Repositories auf GitHub wurde und eine riesige Welle ausgelöst hat. Anthropic hat dann mit Claude Cowork im Januar nachgelegt: eine Desktop-App, die direkt auf deinem Computer Dateien lesen, bearbeiten und erstellen kann. Und jetzt hat Microsoft mit Copilot Cowork den nächsten Schritt gemacht, und zwar direkt in Microsoft 365 integriert.
Aber um was geht es grundsätzlich?
Von Fragen beantworten zu Aufgaben erledigen
Seit ChatGPT in die Breite gekommen ist, gab es eigentlich zwei Killer-Use-Cases: Fragen beantworten und Texte schreiben bzw. umschreiben. Das merken wir bei Cloud Solution auch immer wieder in unseren Workshops. Use Cases rund um Wissensmanagement und Erstellung von Marketing-Texten sind nach wie vor die häufigsten.
Der zweite Schritt ist dann meistens, dass man dem AI-Chatbot Zugriff auf weitere Datenquellen gibt. CRM, ERP, SharePoint: Damit die Antworten nicht nur auf allgemeinem Wissen basieren, sondern auf deinen Unternehmensdaten.
Aber was passiert, wenn die KI-Systeme intelligenter werden und ich ihnen noch einfacher Zugriff auf meine Systeme geben kann? Dann können sie vielleicht nicht nur Fragen beantworten, sondern ganze Aufgaben übernehmen.
Und genau da stehen wir jetzt mit Copilot Cowork.
Was ist Copilot Cowork?
Copilot Cowork ist kein Chatbot. Copilot Cowork ist dein Mitarbeiter.
Ich kann ihm nicht einfach nur Fragen stellen und bekomme Antworten auf Basis meiner Microsoft-365-Daten. Nein, ich kann ihm Aufgaben delegieren. Richtige Aufgaben, die über mehrere Apps und Datenquellen hinweg laufen und Minuten oder sogar Stunden dauern können.
Entstanden ist Copilot Cowork in Zusammenarbeit zwischen Microsoft und Anthropic. Cowork kann Anthropics Claude-Modelle mit ihren starken Reasoning-Fähigkeiten nutzen, kombiniert mit Microsofts «Work IQ», also dem ganzen Kontext aus deinen Mails, Meetings, Chats und Dateien. Inzwischen kannst du das Modell sogar selbst auswählen oder Cowork entscheiden lassen. Das ist der grosse Vorteil gegenüber dem Standalone-Claude-Cowork: Copilot Cowork läuft in deiner Microsoft-365-Umgebung, arbeitet mit deinen Berechtigungen und sieht nur, was du auch sehen darfst.
Wie funktioniert das konkret?
Copilot Cowork versteht zuerst die Aufgabe. Dann erstellt er selbstständig einen Plan, wie er vorgehen will. Anschliessend arbeitet er Schritt für Schritt alle Arbeiten ab und präsentiert am Schluss das Resultat.
Das Resultat muss dabei nicht nur Text sein. Copilot Cowork kann recherchieren, Dateien erstellen oder anpassen, Mails senden (oder einen Entwurf vorbereiten), Excel-Auswertungen bauen und Präsentationen zusammenstellen. Bei wichtigen Aktionen wie dem Versand von Mails oder einem Teams-Post fragt er immer zuerst nach. Das ist der «Human in the Loop»-Gedanke, der Microsoft sehr wichtig ist. Du delegierst, behältst aber die Kontrolle. So beschreibt Microsoft die Freigaben.
Drei Use Cases aus der Praxis
1. Projektstatusberichte und allgemeine Reportings
Immer wenn Reports erstellt werden müssen, sei es für ein Projekt oder für das C-Level, braucht es zuerst eine längere Recherche. Man muss den aktuellen Stand verstehen: Meetings zusammenfassen, den Zeitplan im Excel aktualisieren, relevante Mails durchgehen.
Wenn ich Copilot Cowork damit beauftrage, geht er wirklich in die Tiefe. Er liest die Meeting-Transkripte, checkt die zuletzt geänderten Dateien in SharePoint und geht die relevanten Mails durch. Auf dieser Basis erstellt er mir den Projektstatus, wenn ich will sogar auf Basis einer bestehenden Word-Vorlage.
Das Beste: Ich kann Copilot Cowork bitten, das monatlich zu wiederholen. Er merkt sich die Aufgabe und führt sie regelmässig aus.
Und bevor der Bericht rausgeht, schaue ich ihn natürlich an. Gerade bei Terminen, Kosten oder Zusagen reicht ein plausibel klingender Text nicht.
2. Skills am Beispiel eines Vertrags-Reviewers
Es gibt Aufgaben, bei denen ich meinen Mitarbeitenden gewisse Fähigkeiten beibringen möchte. Nehmen wir an, die Sales-Abteilung muss regelmässig NDAs oder andere Verträge prüfen. Natürlich könnte ich jedes Mal den internen Verantwortlichen einschalten. Aber schlussendlich ist ja definiert, auf was geachtet werden soll.
Genau hier kommt das Konzept von Skills ins Spiel. Skills sind wie eine Anleitung für die KI. Man beschreibt, wie sie vorgehen muss und auf was sie achten soll. Ähnlich, wie wenn du selbst etwas Neues lernst und zuerst die Anleitung liest.
Einen Skill für einen NDA-Review kann ich direkt in Cowork erstellen. Er wird in meinem OneDrive abgelegt und lässt sich über Share mit bestimmten Personen in der Organisation teilen. Copilot Cowork erkennt den Skill dann automatisch und nutzt ihn, sobald es um Verträge geht. Das ist extrem mächtig, weil ich damit Fachwissen skalieren kann, ohne dass jede einzelne Person zur Expertin oder zum Experten werden muss. Microsoft zeigt, wie Skills erstellt und geteilt werden.
Wichtig bleibt: Der Skill bereitet die Prüfung vor. Die Beurteilung und Freigabe eines Vertrags bleiben bei den zuständigen Personen.
3. Mails automatisch mit einem ersten Entwurf beantworten
Stell dir vor: Jeden Morgen um 7 Uhr, bevor du überhaupt den Laptop aufklappst, hat Copilot Cowork bereits deine offenen Mails durchgesehen und für jede einen ersten Antwortentwurf vorbereitet. Du kommst ins Büro, schaust die Entwürfe durch, passt an, wo nötig, und schickst ab. Statt Mail-Ping-Pong startest du mit einem Stapel fertiger Entwürfe in den Tag.
Das funktioniert besonders gut in Kombination mit Skills: Wenn du einen Skill für Kundenanfragen erstellst, also definierst, wie dein Unternehmen typischerweise auf bestimmte Anfragen reagiert, werden die Entwürfe mit der Zeit immer besser und konsistenter.
Update: Jetzt geht auch «Wenn X, dann Y»
Im April hatte ich hier noch geschrieben, dass Copilot Cowork sich nicht von selbst triggert. Man konnte nur Zeiten angeben, zum Beispiel «jeden Montag um 8 Uhr».
Das hat sich geändert. Cowork kennt inzwischen ereignisgesteuerte Aufgaben. Du kannst also sagen: «Wenn eine Mail von meiner Chefin zur Vertragsverlängerung kommt, fass sie zusammen und bereite eine Antwort vor.» Als Auslöser gehen aktuell eingehende Mails sowie Nachrichten in Teams-Chats und -Kanälen, auf Wunsch nur, wenn du erwähnt wirst.
Auch hier gilt: Standardmässig bereitet Cowork die Aktion vor und fragt dich, bevor etwas rausgeht. Microsoft beschreibt die ereignisgesteuerten Aufgaben hier.
Verfügbarkeit und Lizenzierung
Aktualisiert, Stand September 2026.
Im April war Copilot Cowork nur im Rahmen des Microsoft-Frontier-Programms verfügbar. Seit dem 16. Juni 2026 ist Cowork für Geschäfts- und Schulkonten allgemein verfügbar. Zur Ankündigung von Microsoft.
Wer es nutzen will, braucht eine Microsoft 365 Copilot-Lizenz. Dazu kommt ein Punkt, den man kennen sollte: Cowork wird zusätzlich nutzungsbasiert über Copilot Credits abgerechnet, und diese Abrechnung muss in eurem Tenant aktiviert sein. Einzelne Funktionen, etwa das Erstellen von Apps, bleiben weiterhin Frontier-Vorschauen. Die aktuellen Voraussetzungen findest du bei Microsoft.
Microsoft hat ausserdem mit dem neuen Microsoft 365 E7 «Frontier Suite» ein Lizenzpaket lanciert, das seit dem 1. Mai 2026 für 99 USD pro User und Monat erhältlich ist. Darin enthalten: Microsoft 365 E5, Microsoft 365 Copilot, Agent 365 und die Entra Suite. Das ist günstiger als alles einzeln zu kaufen und zeigt, wohin die Reise geht: KI wird integraler Bestandteil des Arbeitsplatzes, nicht ein separates Add-on. Zur Ankündigung der Frontier Suite.
Fazit: Die Reise geht weiter
Copilot Cowork ist ein grosser Schritt in die richtige Richtung. Wir bewegen uns weg von «KI als Chatbot» hin zu «KI als Mitarbeiter». Die Modelle werden besser, die Integration tiefer, und die Möglichkeiten wachsen mit jedem Update. Die ereignisgesteuerten Aufgaben seit April zeigen das ziemlich gut.
Für uns bei Cloud Solution ist klar: Das ist keine Zukunftsmusik mehr. Wir begleiten bereits Kunden dabei, Copilot und KI-Agenten sinnvoll in ihren Arbeitsalltag zu integrieren. Wenn du wissen willst, wie das konkret für dein Unternehmen aussehen könnte: Meld dich bei uns.
Die KI-Reise hat gerade erst richtig begonnen.




